Begegnungen mit Jesus – Tag 37

01.04.2021

Johannes 19,31-42

 

Das Licht der Welt war erloschen, der Sohn Gottes gestorben. Johannes berichtet uns von seiner Grablegung und obwohl dies ein Moment der größten Hoffnungslosigkeit für die Jünger war, sehen wir in seinem Bericht doch schon winzige Anzeichen von Hoffnung und Gottes Wirken.

 

Jesus starb an einem Freitagnachmittag. Mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend beginnt der Sabbath, der den gesamten Samstag andauerte. Dieser Sabbath war ein besonderer Festtag, weil das Passahfest gefeiert wurde, an dem sich das Volk Israel an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten erinnerte. Deshalb wollten die jüdischen Führer die Toten vor Sonnenuntergang von den Kreuzen nehmen lassen. Sie ahnten nicht, dass dort auch der gestorben war, der die Menschen durch seinen Tod von einer noch größeren Sklaverei befreit hatte. Johannes beschreibt, wie überprüft wird, ob Jesus tot ist und er anschließend beerdigt wird. Er schreibt dies so detailliert, um unmissverständlich klar zu machen: Jesus ist wirklich gestorben. Er war nicht nur benommen oder scheintot. Aber in dieser Beschreibung gibt er uns den ersten Hoffnungsschimmer: Selbst die Details von Jesu Tod stimmen mit den Voraussagen des Alten Testaments überein. Die Situation war Gott nicht entglitten. Er wirkte nach wie vor.

 

Den zweiten Hoffnungsschimmer sehen wir an Joseph und Nikodemus. Wir wissen aus den anderen Evangelien, dass Joseph ein sehr reicher Mann und Mitglied des jüdischen Hohen Rats war und Jesus heimlich nachfolgte. Nikodemus war wahrscheinlich auch ein Mitglied des Hohen Rates. Er hatte Jesus einmal in der Nacht aufgesucht. Wohl, weil er Angst hatte, dabei gesehen zu werden. Diese beiden Männer legen nun alle Zurückhaltung ab. Joseph bewirkt bei Pilatus, dass er Jesus begraben darf und Nikodemus bringt eine große Menge wohlriechender Öle, um Jesus einzubalsamieren. Die beiden treten aus der Dunkelheit und Verborgenheit voller Mut ans Tageslicht. Sie machen ihre Verehrung von Jesus öffentlich sichtbar. Selbst in dem Moment, als alle Hoffnung vergangen scheint, wirkt Gott im Leben dieser beiden Männer.

 

Der Samstag zwischen Karfreitag und Ostersonntag steht wie kein anderer Tag für die Spannung zwischen Hoffnung und Erfahrung im Leben eines Christen. Jesus hatte den Jüngern in seinen Abschiedsreden so viel versprochen: Dass er auferstehen wird, dass er für immer bei ihnen sein wird. Aber in ihrer Trauer und Hoffnungslosigkeit erlebten und sahen sie erst einmal nichts davon. Vielleicht erlebt auch ihr heute oder in der letzten Zeit solch eine Spannung zwischen eurem Glauben, eurer Hoffnung und der Realität eures Lebens. Ihr glaubt an Gottes Liebe und Fürsorge, aber fühlt euch verlassen. Ihr glaubt an eine Hoffnung, die Leid und Tod übersteigt, aber seid von so viel Trauer umgeben, dass es schwer fällt, an dieser Hoffnung festzuhalten. Der Samstag vor Ostern zeigt uns: Selbst im Moment der größten Hoffnungslosigkeit wirkt Gott. Als alles tot und hoffnungslos scheint, ist Gottes Macht so lebendig wie immer. Wie ein reißender Bach, der unter einer komplett von Schnee bedeckten Landschaft unsichtbar dahin rauscht, so war Gott an diesem Samstag am Wirken. Und nur wenige Stunden später wird all seine herrliche Macht sichtbar werden. 

 

Reflexion und Gebet

Lasst uns heute im Gebet all das zu Gott bringen, worin wir diese Spannung erleben. Lasst uns Gott auch in den Momenten vertrauen, in denen wir sein Wirken nicht sehen können. Er ist trotzdem für uns da und sein Handeln wird sichtbar werden.