Begegnungen mit Jesus – Tag 35

30.03.2021

Johannes 18,28-19,16

Nachdem Jesus von dem Hohepriester und dem Hohen Rat verhört worden war, wurde er zu Pilatus, dem römischen Gouverneur gebracht. Nur die römische Besatzungsmacht hatte das Recht, ein Todesurteil auszusprechen. Die Frage für die führenden Männer war nur: Wie können sie Pilatus, der die Juden verachtete und keinerlei Interesse an religiösen Fragestellungen hatte, davon überzeugen, Jesus zum Tod zu verurteilen? An Pilatus Frage zeigt sich, dass die Juden Jesus wohl beschuldigt hatten, sich als „König der Juden“ auszugeben. Deshalb fragt Pilatus: Bist du ein König? Das ist eine politische Frage. Bist du jemand, von dem eine Bedrohung für Rom ausgeht? Bist du jemand, der eine Revolte anzetteln könnte?

Jesus erklärt ihm, dass er ein König ist, aber sein Reich nicht von dieser Welt ist. Es wird nicht durch Macht oder Gewalt, sondern durch Wahrheit gebaut. Im Johannesevangelium ist Wahrheit immer ein Ausdruck dafür, Gott zu erkennen. Wenn Menschen durch Jesus verstehen, wie Gott wirklich ist und anfangen, ihr ganzes Leben an ihm auszurichten, dann werden sie Teil seines Reiches. Dann steht ihr Leben unter Gottes Herrschaft.

Pilatus kann kein Vergehen bei Jesus erkennen, aber er lässt ihn auspeitschen – wohl um die jüdische Menge zu beruhigen und Jesus anschließend freilassen zu können. Dieses Auspeitschen war eine brutale Folter mit Peitschen, die mit Metallstücken verstärkt wurden, so dass nicht nur die Haut, sondern auch die Muskeln der Gefolterten aufgerissen wurden. Doch selbst diese Folter beruhigt die Menge nicht. So steht Jesus ein zweites Mal vor Pilatus. Und jetzt steht hier der verspottete, zerschlagene, blutende und furchtbar zugerichtete Jesus und sagt dem römischen Herrscher ins Gesicht: Du hast keine Macht. Das hier, Pilatus, ist nicht in deiner Hand. Es ist in der Hand meines Vaters. Es war von Anfang an das Ziel meines Weges, ans Kreuz zu gehen.

 

Die Juden setzen Pilatus noch stärker unter Druck. Sie hatten sich schon früher beim Kaiser Tiberus über Pilatus beschwert. Er konnte sich keine weiteren Probleme mit dem Kaiser erlauben. Und so gibt er Jesus zur Kreuzigung frei mit den verspottenden Worten „Hier ist euer König.“ Aber Pilatus sagte damit mehr, als er wusste. Der hier zerschunden vor ihm stand, war wirklich der lang erwartete König der Juden, der sein Reich des Friedens aufrichten würde. Und nicht nur der König der Juden, sondern der König der ganzen Welt.

 

Reflexion und Gebet

Lasst uns heute im Gebet auf diesen König schauen, der für uns gelitten hat. Vielleicht könnt ihr folgende Worte eines alten Kirchenlieds zu eurem persönlichen Gebet machen:

 

O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,

o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron.

O Haupt, sonst schön verzieret mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret: „Gegrüßet seist du mir.“

Du edles Angesichte, vor dem sonst schrickt und scheut

das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit?

Wie bist du so erbleichet? Wer hat dein Angesicht,

dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht?

Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last.

Ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.