Kirche für die Stadt

Mission

Wir sind hier, um die Stadt Hamburg geistlich, sozial und kulturell zu gestalten.

Geistlich

Kirche, Gott und das Evangelium von Jesus Christus. Was hat das heute in Hamburg mit uns zu tun?

Kulturell

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Dann noch Konzerte, Filme, Theater und Kunst. Was hat das mit dem Glauben zu tun?

Sozial

Wir lieben unsere Stadt und wollen mithelfen, sie zu einem schöneren und gerechteren Ort zu machen.

The Eight Bull's Eyes of Glory.
St. Petri Kirchturm Hamburg Ausblick aus Bullauge

The Eight Bull's Eyes of Glory.

Es ist immer Dasselbe. Sieht man die Touristenmassen auf dem Rathausmarkt an sich vorbeiziehen, zu deren reichhaltiger Beute aus den Tiefen der Souvenirläden neben diesen kitschigen schwarzen Comicschrift-Hamburg-Taschen sich jüngst noch ganze Armadas von zahnspangentragenden Jugendlichen mit ultracoolen Hard Rock Café Beuteln gesellt haben, so sieht man in deren Händen stets dieselben Ansichtskarten wedeln. Michel, Köhlbrand, Rathaus. 2021 gibt es dann noch eine vierte Postkarte mit dem Motiv der Elbphilarmonie, aber wir wollen nichts vorweggreifen.

Bis dahin könnte doch beim gepflegten Ortsansässigen die Frage aufkommen, wie man so eine Beinahe- Metropole an der schönen Elbe auf derartig zweifelsohne schöne, aber protzige Bauten reduzieren kann. Sicherlich, es gibt auch noch die Reeperbahnkarte, die gerade schlüpfrig genug ist, um daheim in der Provinz bei den Daheimgebliebenen für rote Köpfe, schmutzige Witze und "Uiiihhs" und "Ohoooos" zu sorgen.

Aber davon abgesehen werden die wahren Perlen mal wieder sträflich vernachlässigt. Was ist mit dem Ohlsdorfer Friedhof - zu traurig? Dem Botanischen Garten Klein Flottbek - zu pflanzlich? Das Planetarium - zu kosmopolitisch? Diese Orte haben allesamt auch eine Postkarte verdient. Mindestens eine. Vielleicht ruf ich mal beim guten Ole von Beust an. Wer außer Dienst ist, das haben wir ja alle von Helmut Schmidt gelernt, hat viel Zeit zwischendurch, das Weltgeschehen zu kommentieren oder sich um wesentliches zu kümmern - wie eben echten Perlen zu ihrem standesgemäßen Postkartenmotiv zu verhelfen. 

Aber ich komme vom eigentlichen Thema ab. Eigentlich geht es bei meinem Fundstück um ein Gotteshaus, das in der Hamburger Kirchenlandschaft gerne übersehen wird. Dabei ist die St. Petri Kirche nicht nur altehrwürdigste, sondern auch die höchste Pfarrkirche unseres Dörfchens.

Allen emsigen Bienen rund um die Altstadt und die Hafencity sei wärmstens empfohlen - nach dem Ceasar`s Salad mit warmen Putenbruststreifen im Treehugger-Café ihres Vertrauens -  statt des obligatorischen Rundgangs um Binnenalster oder Cappuchino Grande im Starfaxe einen Schluck Besinnlichkeit im „Raum der Stille“ zu sich zu nehmen. Täglich zur Mittagszeit sogar mit kurzer Andacht durch einen der hiesigen Pfarrer. Kann erquickender sein als ein doppelter Espresso oder ein 20 Minuten Power-Nap, wenn nicht der Körper, sondern die Seele durchhängt.

Ein anderes überirdisches Highlight liegt auf 123m Höhe und ist ausschließlich zu Fuß zu erreichen. Meine erste himmlische Begegnung mit den 544 Stufen hatte ich vor ungefähr 3 Jahren in der Mittagspause, in Lederschuh und feinem Zwirn. Letzterer wurde auf den finalen Stufen nur noch triefend hinterhergeschliffen.

Zu Beginn trägt man sich bei den freundlichen Damen im besten Alter auf der „Ich bin dann mal oben“ Liste ein, welche sicherstellt, dass auch liegengebliebene Herzkasperpatienten nach Schließung um 18 Uhr nicht im Turm nächtigen müssen.

Nach Eintragen und einem Glas Wasser geht es dann immer rund rund rund mit Halt an Wandtafeln, die den in Weltkriegen gefallenen Kirchenmitgliedern erinnern. Stockwerk über Stockwerk, bis man schließlich die ersten Kupferlamelllen des Daches erkennen kann.

Hier trennen sich die Reisegruppen gewöhnlich in Gipfelstürmer und fußlahmes Volk. Letztere können auf antikem Holzboden verweilen und durch die ersten acht  Bullaugen zu allen Seiten bereits eine großartige Aussicht versuchen, während die müden Beine auf Klappstühlen verweilen.

Die Gipfelstürmer schwingen sich nun noch die letzten hundert Stufen hinauf und vergessen ihre Höhenangst auf der letzten Wendeltreppe, während die Kupferwände wie im Flaschenhals immer näher rücken. Mit einem letzten ??? steckt man dann den Kopf durch eine Falltür und erblickt einen 6qm großen Raum mit 8 bulligen Augen und drei Stühlen. Es ist geschafft.

Gelöst und euphorisch nimmt man Platz und öffnet sein gekühltes Almdudler am einzigen Platz in Hamburg, dessen Höhe derart mit den Alpen schmeichelt, dass man sich dort nicht wie aufm Blatt damit lächerlich macht. Anfänger haben dazu noch ne müffelnde BiFi dabei, Kenner natürlich die gute Butterstulle mit Cervelat und Käse.

Nachdem man ausführlich durch alle Bullaugen gestarrt hat, man über die da unten im Michel-Ausguck gelacht hat, jeder einmal „Guck mal – da wohn ich!“ gerufen hat (jawohl, auch die Langenhorner) geht es wieder nach unten. Die Fußlahmen und Herzkaspler aufsammeln.

Unten beim Abhaken seines Namens auf der Liste der Zurückgekehrten wird einem dann klar, dass man geschafft hat, wovon alle nach Hamburg pilgernden träumen – der himmelshohe Aufstieg. Ganz ohne Tellerwaschen oder „irgendwas mit Medien“.

Kirche sei dank. Ich werde jedenfalls wiederkommen, wenn ich mal wieder unten bin.