Kirche für die Stadt

Mission

Wir sind hier, um die Stadt Hamburg geistlich, sozial und kulturell zu gestalten.

Geistlich

Kirche, Gott und das Evangelium von Jesus Christus. Was hat das heute in Hamburg mit uns zu tun?

Kulturell

Arbeit, Arbeit, Arbeit. Dann noch Konzerte, Filme, Theater und Kunst. Was hat das mit dem Glauben zu tun?

Sozial

Wir lieben unsere Stadt und wollen mithelfen, sie zu einem schöneren und gerechteren Ort zu machen.

Aber bitte mit Sahne
gedeckter Tisch

Aber bitte mit Sahne

Ich wusste nicht so recht, worauf ich mich da einließ, als ich mit ca 50 DINA4-Zetteln die Briefkästen meiner unmittelbaren Nachbarn befüllte. Meist waren die Briefkästen nur durch die Haustür erreichbar, so dass ich bei fremden Menschen klingeln musste, um mir Zugang zu verschaffen. Auf das „Was wollen Sie hier?“ und „Bitte keine Werbung“ einer älteren Dame reagierte ich zunächst mit einem stockenden „Äh, Hallo, ich wohne in der 18 und mache ein Fest nächsten Samstag. Für Nachbarn. Sie sind auch ein Nachbar?“ Die Dame meinte nur kurz: „Ich kann Ihnen nur sagen, die Leute ziehen hier ständig ein und aus und am Wochenende sind sie wech. Ich bin auch nicht da. Viel Erfolg.“ Als ich die Haustür leise hinter mir schließen wollte, hörte ich noch ein „Aber nette Idee, junges Fräulein“.

Und der besagte Samstag kam. Unsere Haustür blieb an dem Tag offen stehen, mitten in einem der einbruchsgefährdeten Stadtteile Hamburgs, in Harvestehude, dort wo Akademikerfamilien, wohlhabende Rentner, Kreative, Selbständige, internationale Imbisse, Studentencafés, reinrassige Hunde, Biomodengeschäfte, koschere Restaurants, Architektenbüros, blumige Verkehrsinseln und so unendlich viel mehr nebeneinander leben. Und für einen Nachmittag kam ein Stück Welt davon in meinen Garten zum Kaffeetrinken, Kuchen essen und Schnacken. Es kamen befreundete Musiker, Kollegen mit Kindern, Bekannte aus dem Haus, die sonst nur kurz Pakete entgegennahmen, es kamen Nachbarn aus dem Hamburgprojekt, Freunde und Mitarbeiter aus dem Sprachkurs der Flüchtlingshilfe (trotz Ramadans) und tatsächlich einige, die man entweder nur vom Balkon-Zu-Winken kennt oder dessen Bekanntschaft man in der Vergangenheit gar nicht gemacht hatte. Insgesamt rund 40 Personen im Laufe des Nachmittags. Die Stühle reichten bald nicht mehr. Nachschub war schnell aus den umliegenden Wohnungen herübergereicht. Die Kinder spielten Federball, die Yuppies dieses eine Spiel (das mit den Holzdingern, die man so abwerfen muss), Erwachsene tauschten Rezepte, die WG-Kaninchen wurden gemästet, der Kaffee- und Redeschwall floss reichlich. Man stellte sich meist mit der eigenen Adresse vor, worauf ein „Ah, da ist doch.....“ erwidert wurde. Ich schaute kurz aus der Küche und schoss 1-2 Handyfotos, die so richtig an eine Gartenparty aus den 90ern in dem Dorf meiner Kindheit erinnerten. Nur eben in urban. Ohne Käse-Weintrauben-Igel. Ich liebe diese Stadt.

Jasmin Zaboli wohnt mit Mann, Mitbewohner und zwei WG-Kaninchen in Harvestehude/Eimsbüttel und wird seit dem Tag des Nachbarn öfter auf der Straße gegrüßt